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Crossalps 2012

Herausgegeben von Lars Budack in Wettbewerb · 12/7/2012 01:50:41
Tags: 07.07.2012

"Nordstau, Grauthermik und Südföhn"

Jedes Jahr auf´s Neue macht man sich monatelang Gedanken darüber, wo soll ich beim crossalps diesmal meinen persönlichen Wendepunkt setzen. Im Endeffekt merke ich bei pararun-Wettbewerben aber immer wieder, wie wichtig es ist auf das aktuelle Wettergeschehen und den eigenen Instikt zu hören. Chrigel M. hat da mir am Sonntag Abend bei der Siegeehrung mit  seinem Statement aus der Fliegerseele gesprochen, als er erklärte wie er seine Entscheidungen trifft ...

So traf ich letztendlich am Samstag morgen um 5 Minuten vor Start (8:00Uhr) nach kurzer Diskussion mit Fredegar T. die Entscheidnung aufgrund der tiefen Wolkenbasis und dem angekündigten Nordstau zunächst einmal die Füße in die Hand zu nehmen, um in Richtung Süden zu maschieren. Der Gedanke war: Vielleicht ist´s ja am Nachmittag in Richtung Alpenhauptkamm trotz Gewitterneigung etwas besser bzw. hochbasiger und vor allem sonniger … Und wer weiß vielleicht kann ich endlich mal nach Mayrhofen oder gar nach Hintertux zum Olperer fliegen … So sollte das Kranzhorn der erste Startberg der Etappe werden.

Die Zeit dorthin verging wie im Flug, da ich Basti kennenlernte, mit dem es viel Fliegergeschwätz zu bereden gab. Als wir von den Autos der Supportern von Gerald G. und Thomas H. überholt wurden, sagte ich Basti, dass wir offensichtlich nicht ganz so verkehrt entschieden haben, da die richtig guten und immer topplatzierten crossalpsler sich ebenso in Richtung Süden begaben.  

Basti und ich kamen als erstes am Kranzhorn an und mußten zunächst einmal feststellen, dass - sagen wir mal - sehr diffuse Lichtverhältnisse herrschten. Nachdem ich Basti die Ausrichtung des Kranzhorns ausführlich erklärt hatte (;-)) und die ersten crossalpser unter uns kichernt und gackernt abhoben (offensichtlich machten auch Frauen mit (;-)), machte ich mich nach reiflich Vorplanung ebenso startfertig. Der Instrumentenflug dauerte widererwarten nur kurz und es trug gut unter der Basis in Richtung Zahmer Kaiser. Nachdem ich eine Cayenne-Hummel überholte (;-)) , mußte ich jedoch feststellen, das
ausgerechnet jetzt vor mir in Richtung Zahmen Kaiser ein heftiger Regenschauer vom Himmel fiel. Daher bog ich rechter Hand ab und setzte meinen erzwungenen Gleitflug bis Kiefersfelden fort.
 
Der Himmel über uns sah nicht wirklich flugtauglich aus und ich sagte mir "hey, ich bin mir sicher: heute Nachmittag reist´s auf und wir bekommen ein Flugfenster von ein bis zwei Stunden". So machte ich mich diesmal allein sehr zügig auf in Richtung Hohe Salve. In Kufstein überholte ich eine Pferdekutsche ( ! tatsächlich, kein Witz) mit ein paar netten alten Damen und einen noch netteren alten Kutscher. Der war so begeistert, das er mir ausführlich seine ganz persönliche Abkürzung erklärte, um schnellstmöglich nach Söll zu kommen. Perfekt, dachte ich. Nochmals danke an den Kutscher ! Ohne ihn hätte ich vermutlich wesentlich länger gebraucht, da ohne Supporter das Kartenstudium zu lange dauern kann.

Am Fuß der Hohen Salve angekommen wurde ich von Michi (?) so was von schnell überholt, dass ich dachte ich wäre eine schleimige kriechende Schnecke, die sich Ihren Weg über den Asphalt sucht. Wow, war der Junge schnell unterwegs. Der muß gerannt sein … nein … gesprintet. Hut ab ... Der Blick auf die Hohe Salve versprach jedoch nichts Gutes. Das letzte Drittel der Hohen Salve war in Wolken gehüllt ! Aber plötzlich innerhalb von einer halben Stunde hatte sich die Wolkensuppe aufgelöst und die Basis über den Gipfel verzogen. Allerdings mußte ich auf dem letzten Drittel mit Blick Richtung Norden feststellen, dass gegen 15:00Uhr sich in den Voralpen schönste Wolken aneinander reihten, während bei uns im Süden ein einheitliches Grau über den Gipfeln dominierte.

Ok, Chrigel haut wieder einmal einen genialen Flug raus und läßt uns alle wie Anfänger aussehen. Der Junge kann auch an der Hochries vom Dach der Talstation starten und würde trotdzdem noch weiter fliegen als jeder Einzelne von uns (;-))

So ein scheiß, verfuckt und zugenäht. Oben angekommen sah es wirklich noch immer nicht besser aus. Mmmh, dachte ich, soll ich warten ? Aber worauf ? Macht es wirklich noch einmal auf ? Mittlerweile waren es schon 17:00Uhr. Daher entschied ich mich zu starten und in Richtung "Kelchsau" abzugleiten. Während des Gleitfluges genoss ich ausführlich die Bergsicht. Und da sah ich vor mir in Richtung Kelnchsau einen einladenen Berg, mit einer wunderschön anmutenden Graskuppe, die von allen Seiten angeströmt wird. Die muß doch perfekt zum Starten sein ! Den potentiellen Startberg im Kopf abgespeichert, fing auf einmal etwa 200m über Grund mein Vario, bei Grauthermik ohne Sonneneinstrahlung, an zu piepsen. Trotz hartnäckigen Kampfes war es mir dennoch nicht möglich Höhe zu machen und landete auf einer frisch gemähten Wiese in der "Kelchsauer Ache". Neben der Wiese sass eine Familie auf Ihrer Terrasse beim Kaffekränzchen. Die Familie war der Überzeugung, dass ich wohl versehentlich bei Ihnen gelandet bin. Nach kurzem Smalltalk und Klarstellung, dass das schon Absicht sei, schüttelten diese nur mit dem Kopf und zeigten kein Verständnis für unseren Wettbewerb ... Tja, es gibt auch Menschen, die mit Fliegen nichts am Hut haben …  

Nachdem meine Sachen wieder eingepackt waren und ich eine ausführliche Verschnaufpause hinter mir hatte, mußte ich ertragen, dass auf einmal über meinen Kopf die Sonne zum Vorschein kam und sich - dort wo ich kurz zuvor einen Nullschieber kratzte -  eine wunderschöne fette Thermik-Wolke bildete. Tja, hätte ich mal eine weitere viertel Stunde auf der Hohen Salve gewartet … Das geschieht Dir recht … immer wieder zu ungeduldig …

Davon abgesehen mußte ich feststellen, dass mir schon jetzt - um 17:30Uhr - keine Wanderkarten mehr für den Weg in Richtung Südwesten zur Verfügung standen.

Da ich jedoch wußte, dass ich nur dem Tal bzw. der "Kelchsauer Ache" folgen muss, war das für mich kein Problem. Jedoch mußte ich herausfinden, wie dieser zum Starten einladene Berg heißt. Dank der superneuen Kartentafeln am Wegesrand stellte ich nicht lange später fest, dass es sich um das 1900m hohe "Schwaigberghorn" handelt. Aber auch der vorgelagerte "Feldberghorn" versprach gute Startmöglichkeiten. Aber sollte ich heute noch einen weiteren 3ten Berg nuff maschieren oder erst morgen früh starten? Ich entschied mich lieber meinen Körper zu schonen und zunächst einmal um 20:00Uhr in einem gemütlichen Biergarten ausgiebig Abend zu Essen.

Leider kam dann schon der nächste Schock. Wo habe ich bloß die Telefonnummer für die Rückmeldung für Samstag Abend, um nicht vermißt zu gelten. Mist. Shit. Fuck. Die habe ich ja im Auto liegen gelassen. Daher schnell meine Frau angerufen, um im Internet eine Rufnummer rauszufinden. Da war leider nichts aufzuspüren. Daher Horst G. angerufen, der dann Ulli S. und Ralf M. ansimmste und mich zurückzumelden. Nochmals an dieser Stelle herzlichen Dank dafür. Und gute Besserung. Komm bald wieder auf die Beine. Denn ich brauch einen, der mir bei den XC-Bewerben mein Zimmer bucht (;-))  

Einen Salat, eine Pizza Tonno, zwei Cola und eine Apfelschorle später machte ich mich auf die "Kelchsauer Ache" abzumaschieren, um meinen Wendepunkt soweit wie möglich entfernt von der "Hochries" zu setzen. Um rechtzeig zu Sunset auf dem "Schwaigberghorn" zu stehen, setzte ich meinen Wendepunkt um Mitternacht. Eine klare Nacht und relativ angenehme Temperaturen, machten mir deutlich, dass der Südföhn offensichtlich schon in den Nordalpen angekommen war. Daher machte ich mich spät in der Nacht auf, um das "Schwaigberghorn" zu erklimmen. Zum Glück war die Wegbeschilderung ganz o.K., da ich ja ohne Wanderkarten unterwegs war. Dennoch war der am Berg anhängende Wald und dessen Wiesen ganz schön verwuchert und ein durchkommen teilweise nur schwer möglich. Mitten in der Nacht, im Dunkel des Waldes, hörte ich auf einmal ein Grunzen und Jaulen. Dann schwarze Schatten, die vor mir her rannten. Hatte ich aufgrund der Müdigkeit schon Halluzinationen ?? Nein, so schlimm war es hoffentlich nicht … So wie die Schatten aussahen, waren das eher Wildschweine als Yetis …

Auf dem vorderen Teil des "Schwaigberghorn" in 1900m Höhe angekommen, spürte ich schon den starken Süd-Wind, der in meinem Gesicht den Schweiß schnell trocknen liess. Also kurz Verschnaufen und Aussicht genießen, um pünklich zu Sunset in Richtung Hopfgarten abzugleiten …. Wow …. was für eine phenomenale Aussicht am frühen Morgen. Schön wars, die Sonne im Nordosten hinter dem Wilden Kaiser langsam aufgehen zu sehen. Dieser orangefarbene sonnenspendene Planet ist nach einer langen Nacht immer wieder gerne gesehen. Und schade diesen Ausblick nicht mit anderen Teilen zu dürfen !  …. Mmm … vielleicht sollte ich ja mal als Tandemler starten und Herbert T. Konkurenz machen (;-)) …

Aber meine Güte: auf meinem Tacho standen ca. 60kmh. Ganz schön zügig, ohne im Gas zustehen ... Nicht schlecht der Gleitwinkel …. Upps, die Bäume ziehen aber schnell unter meinen Füßen daher … So kam es, dass ich am Fuß der Hohen Salve einlanden konnte. Dort gönnte ich meinen Füßen erstmal eine selbstbefriedigende Fußmassage (ohhh, ahhh) und ein Paar frische Socken, die ich auf jeden Bewerb mitnehme.

Mittlerweile knallte die Sonne vom blauen Himmel und erwärmte die Nordhälfte der Erdkugel. Südföhn, blauer Himmel und labile Wetterlage, machten mir ein mulmiges Gefühl. Daher fackelte ich nicht lange und machte mich auf, die "Hohe Salve" ein weiteres mal innerhalb von 14 Stunden hochzukriechen. Auf dem Weg zum Gipfel erlebte ich dann ein Dejavú und mich überholte doch schon wieder Michi (?) mit einem affenzahn ! Ich versuchte erst gar nicht mitzuhalten und blieb meinem Schneckentempo treu. Auf dem letzten Drittel zum Gipfel sah ich, wie sich einige in der früh ca. 8:00Uhr raushauten. Und das was ich sah, schien zwar nicht gefährlich, aber dennoch respekteinflössend ! Der Südföhn hatte sich offensichtlich noch ein tick verstärkt. Daher wurden die letzten Reserven mobilisiert, um nicht allzu spät oben zu sein. Sc

hließlich wollte ich nicht um die Mittagszeit bei Thermik im Südkessel der Salve mit dem Südföhn kämpfen wollen. Das überlasse ich lieber Chrigel M. und Co., die sowas drauf haben.

Oben angekommen wurde dem geschundenen Köper erstmal eine kurze Verschnaufpause gegönnt und der Start vorbereitet. Nach dem Start fühlte es sich trotz Südföhn für mich in der Luft angenehm an (dank meines geliebten poison2) und ich konnte bei einsetztender Thermik etwas Startüberhöhung rauskratzen. Die Höhe nahm ich dann mit, um geradewegs in Richtung Kufstein abzugleiten. Ein weiterer Leidensgenosse machte sich mit mir flugtechnisch auf den Weg. Seine Linie war leider etwas schlechter. Ich hatte jedoch Glück und hüpfte über die "Locherer Kapelle" nach Kufstein ins Inntal. So ersparte mir bestimmt eine Stunde Fußmarsch .... Yipee jajey Schweinebacke …. Die Landung im Inntal war dann erwartungsgemäß sportlich und nicht zum Nachmachen empfehlenswert. Leider mußte die Landung Werner S. hautnah miterleben, weil er gerade just in diesem Moment an der Landewiese vorbeimarschierte. Kurz ein paar Worte geschnackt und Werner zog von dannen ...

Mit der Landung war ich mir sicher, dass ich es schaffe pünktlich vor 17:00Uhr ins Ziel zu kommen. Ich war zwar müde, aber der Körper noch einigermaßen fit. Also Sachen gepackt und wieder auf Wanderschaft. In Kufstein erstmal einen Imbissbesitzer um Wasser gefleht … bitte bitte …, da ich am Verdursten war. Und was versteckte sich noch in meinem Packsack: … super …. das ist ja der Wahnsinn …… ein paar Würstchen und Knäckebrot !! …… Mmmh, lecker … Wie ihr merkt fiel mein Früstück am Sonntag früh etwas spartanisch aus. Anschließend folgte ich dem Inn und dessen Flußschleifen von Kufstein bis zum nördlichen Eingang des Inntals. Ja, ich weiß man hätte die Flußschleifen auch abkürzen können. Aber - ehrlich gesagt - hatte ich keine Lust Karten zu studieren. Dann lieber doch ein paar Meter mehr einfach nur ohne groß nachzudenken dem Fluß hinunterlaufen (:-))

Beim daher Maschieren versuchte ich ständig unter jeden klitzekleinen Schatten zu laufen, um der hammerheißen Juli-Sonne auszuweichen. Hinter Ebbs zogen dann auf einmal heftigste Sturmboén und Regenschauer über meinem Kopf daher und ich konnte endlich meinen Poncho auspacken, den ich die ganzen 33Stunden mitschleppte. Über Windshausen ging es dann zwischen Kranzhorn und Heuberg im Halbschatten der Bäume zurück nach Grainbach. Puhh …. endlich mehr Schatten als Sonne … Plötztlich tauchte hinter mir Gerald G. auf und wir machten uns, für einige Kilometer gemeinsam, auf den Rückweg. Wie auch schon beim Bordairline in Interlaken ! Leider hatten wir jedoch diesmal keine Zeit in seinem Support-Wagen eine Pause einzulegen. Es waren schließlich noch 5km zu laufen und knapp eine Stunde Zeit. Die letzten Kilometer vergingen jedoch wie im Flug und ich konnte um 16:30Uhr rechtzeitig an der Talstation reinschluffen, um die Zielglocke bimmeln lassen. Der Körper war zwar geschunden aber trotzdem noch recht passabel. Allerdings nervt es mich, dass sich meine Füße wieder einmal Blasen zugezogen haben. Obwohl die Füße ein Recht haben, sich nach 125km zu beschweren (;-))

Ach ja, die Siegerehrung : Zunächst einmal muss ich sagen, dass für mich bei pararun-Wettbewerben die Platzierung eher nicht so wichtig ist. Obwohl ich es mich nach wie vor fuchst schon zweimal wegen ein paar Hundert Meter bei einem pararun-Bewerb 2ter geworden zu sein. Bei allem sportlichen Ehrgeiz freue mich trotzdem über Jeden der gewinnt, einen guten Flug macht oder einfach nur Spaß an der Sache hat. Ja klar, ist es schön 2ter geworden zu sein. Aber wer weiß, wie die Platzierungen bei guten Flugwetter ausgesehen hätten ... Aber, so ist halt "crossalps" ... Ich persönlich mache beim "crossalps" insbesondere deswegen mit, um sowohl bei Streckenflugwetter als auch widrigen Bedingungen Erfahrungen zu sammeln, die es mir ermöglichen zukünftig das Wetter und Gelände besser einschätzen zu können, um den Fluganteil zu erhöhen. Außerdem ist es für mich ein fantastisches und unbeschreibliches Erlebnis, die Natur in meiner ganz persönlichen Art und Weise sehr intensiv zu erleben.

Dafür danke ich zutiefst dem gesamten Crossalps-Team !


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